PALAIS: Konzertreihe »Offenes Palais«
Di 12.03.2019 | nachmittags um 14:30 Uhr und abends um 19:30 Uhr

Konzerte und Theater

Italienische Zeiten - Musik am Dresdner Hof des 17. Jahrhunderts

Musik von Schütz, Albrici, Peranda, Farina, Dedekind, Bernhard und Vierdanck.

Ensemble Mandelkärn (Basel)
Anna Bachleitner – Gesang
Coline Ormond – Violine
Lukas Hamberger – Violine
Mathilde Gomas – Gambe
Julio Caballero Perez – Cembalo

Frühbarocker Reiz des Südens - Künstler aus Sachsen in Italien und umgekehrt.
Kunstbetrachtung mit Dr. Marius Winzeler, Nationalgalerie Prag

Italienische Zeiten - Musik am Dresdner Hof des 17.Jahrhunderts
Dass Dresden bis heute den Beinamen “Elbflorenz” trägt, ist zwar eher der spätbarocken Architektur der Stadt und dem 19.Jahrhundert geschuldet, aber schon während der kurfürstlichen Zeit des 16.Jahrhunderts bestanden enge Beziehungen zu Italien, besonders nach Florenz. In dieser Zeit entwickelte sich der Hof der Kurfürsten von Sachsen zu einem der mächtigsten Europas. Und dank kunstinteressierter Herrscher, wurde die Macht auch in Kunst und Kultur zur Schau gestellt. Dresden stieg zu einer Kulturmetropole auf und die sächsische Hofkapelle wurde weit über die Grenzen Mitteleuropas hinaus bekannt. Über die Zeit standen ihr einige der bekanntesten und besten Musiker ihrer Zeit vor. Um einige Namen zu nennen: Michael Praetorius, Leo Hassler, Heinrich Schütz, Vincenzo Albrici, Christoph Bernhard, Johann David Heinichen, Jan Dismas Zelenka...

Heinrich Schütz brachte die “Seconda Practica” und damit die erste, große Blütezeit. Er schrieb die ersten Stücke in dem neuen, modernen Stil und revolutionierte somit die geistliche Musik Nord- und Mitteleuropas. Doch schon bald überzog der 30-Jährige Krieg das Land mit Elend, Tod und Verwüstung. 1631 erreichten die Ausläufer Dresden. Der Kurfürst verließ die Stadt, das höfische Leben brach zusammen und die nächsten Jahre kam der musikalische Betrieb quasi zum Erliegen.

Erst nach 1654 trat eine Erholung ein. Doch zu diesem Zeitpunkt gehörte Schütz zum “alten Eisen”. Seine Musik war “altbacken” - aus der Mode gekommen. Mehrfach erbat er eine Versetzung in den Ruhestand. Aber erst der neue Kurfürst Johann Georg II., der eine Vorliebe für italienische Musik hatte, lies einen teilweisen Rückzug Schütz zu. Johann Georg II. legte seine private Kapelle, die nur aus italienischen Musikern bestand, mit der hauptsächlich deutschen Hofkapelle zusammen. Von nun an ist in der Musik ein sehr deutlicher, italienischer, ja - römischer Einfluss zu hören.

Vincenzo Albrici und Gioseppe Peranda, die zwischen 1656 und 1680 Hofkapellmeister waren, wurden beide in Rom ausgebildet. Die Neuerungen im musikalischen Leben der Papststadt wurden in Dresden mit dem, von Schütz maßgeblich geprägten, Geistlichen Konzert verwoben und weiterentwickelt. Es entstand das “Concerto con Aria”, ein Genre für das der Dresdner Hof weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt wurde.

Albici und Peranda waren zwar die Hauptkomponisten für geistliche Musik am Dresdner Hof, doch auch die deutschen Kollegen steuerten Musik bei. So zum Beispiel Constatin Dedekind oder Christoph Bernhard. Der Altist Christoph Bernhard, uns heute vor allem durch sein Traktat “Von der Singekunst und Manier” bekannt ist, war lange Zeit Vizekapellmeister und eine der dominierenden Gestalten in der Hofkapelle. Seine Aufgabe bestand unter anderem darin, die Knaben täglich im Singen zu unterweisen, daher auch seine theoretische “Gesangsschule”. Um den neuen, italienischen Gesangsstil besser kennen zu lernen, unternahm er zwei Studienreisen nach Italien. Eine der beiden Reisen führte ihn mutmaßlich nach Rom zu Carissimi, bei dem Albrici in seiner Jugend als Kapellknabe gesungen hatte. Die andere Reise führte ihn, ähnlich wie Schütz einige Jahre früher, 1656 nach Venedig.

In dieser Zeit gab es einige Konflikte zwischen den deutschen Musiker und den wesentlich besser bezahlten Italienern. Schließlich wurden die Aufgaben geteilt. Während die italienischen Virtuosen die Gestaltung hoher Feiertage und der Sonntagsgottesdienste übernahmen, bildeten die deutschen Musiker die “Kleine deutsche Musik” und waren für Werktage und für die Ripieno-Parts bei großen Werken zuständig. Ganz aus der Welt geschafft werden, konnte der Konflikt damit jedoch nicht. Vor allem, da die italienischen Sänger beinahe ausschließlich Katholiken waren, was im protestantischen Dresden nicht gerne gesehen war. Wohl auch wegen dieser Konflikte verließ Bernhard 1663 Dresden und übernahm die Stelle des Kirchenmusikdirektors und Kantor an der St. Johannisschule in Hamburg. Mit dem dortigen Organisten Matthias Weckmann, der unter Schütz Kapellknabe am Dresdner Hof gewesen war, verbanden ihn enge freundschaftliche Beziehungen. Weckmann gab sogar einige seiner eignen Kompositionen als Bernhards aus, um seine Bekanntheit in Hamburg zu steigern und ihm so das Bewerbungsverfahren zu erleichtern. Nach dem Tod Weckmanns kehrte Bernhard an den Dresdner Hof zurück und war nun auch für die Erziehung der Prinzen zuständig. 1680 , nach der Entlassung der italienischen Musiker, wird Bernhard Hofkapellmeister und bleibt es bis zu seinem Tod 1692.

Der in Mantua geborene Carlo Farina kam bereits 1625 unter Heinrich Schütz nach Dresden. Dort war er nicht nur Geiger in der Hofkapelle, sondern auch für die Unterweisung der Knaben im Violinspiel zuständig. Farina gilt als einer der bedeutendsten Violinvirtuosen des 17.Jahrhunderts. Sein Wirken beeinflusste viele der “großen” Geiger nördlich der Alpen. D.Cramer, Joh. Schopp (d.Ä.), Joh. H. Schmelzer, H. I. Fr. Biber- um nur einige Namen zu nennen.

Auch Johann Vierdanck war Schüler Farinas und Kapellknabe unter Heinrich Schütz, der ihn lobend erwähnt. Neben seinen geistlichen Konzerten, die von Schützs Kompositionen beeinflusst sind, veröffentlichte er auch Instrumentalmusik. Vor allem das 25. Capriccio ist wahrscheinlich von den Kompositionen seines Lehrers Farina inspiriert.

In diesem Programm möchten wir die bewegten Zeiten der Hofkapelle des 17.Jh mit ihren Kapellmeistern, Musikern, Sängern und Schülern beleuchten. Ein protestantischer Kurfürstenhof, voller katholischer, Musiker. Ein Experimentierfeld, auf dem sich die neusten, römisch-katholischen Entwicklungen mit der deutschen, lutherischen Musiktradition mischen und der mitteleuropäischen Musik eine neue Richtung geben. Musik, so vielfältig und farbenfroh, wie die Musikerpersönlichkeiten. Und eine Zeit voller Aufbruchsstimmung; zwischen dem 30-Jährigen Krieg - geprägt von Leid und Elend -und dem europäischen Spätbarock, der prunkvoller kaum hätte sein können

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Das Nachmittagskonzert beginnt um 14:30 Uhr, das Abendkonzert um 19:30 Uhr.
Karten: 14,50 € | 12,50 € ermäßigt | 5,- € für Arbeitslose, Studenten und Schüler
Vorbestellungen: Buchhandlung "Lesezeichen" | Prießnitzstraße 56, 01099 Dresden | Telefon: 0351-8033914

Veranstaltungsdetails

Termin Di 12.03.2019 | nachmittags um 14:30 Uhr und abends um 19:30 Uhr
Preise Karten an der Tageskasse für 14,50 € / 12,50 € ermäßigt / 5 € Studenten, Schüler, Arbeitslose (nur Barzahlung, 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn) unter Vorbehalt | Preisaufschlag bei Adventskonzerten.
Für Kinder geeignet Ab 14 Jahren

Anreise & Anfahrtsskizze

Informationen zur Ankunft:

PKW

  • alle Autobahn-Abfahrten Richtung Zentrum Dresden
  • Wegweisern »Zoo« oder »Gläserne Manufaktur« folgen
  • Parken ist ausschließlich auf den öffentlichen Parklätzen an den umliegenden Straßen möglich oder am Georg-Arnhold-Bad.
  • Die Einfahrt in den Großen Garten ist nur mit vorheriger, schriftlicher Sondergenehmigung gestattet.
  • Es gibt keine Möglichkeit, an der Freilichtbühne zu parken.

Zug und Bahn

  • vom Hauptbahnhof weiter mit den Linien 9, 10 oder 11

ÖPNV

  • Straßenbahnlinien 1, 2, 4, 9, 10, 11, 12, 13
  • Buslinien 61, 63, 75, 85
  • Haltestellen Straßburger Platz, Comeniusplatz, Großer Garten (Hygienemuseum), Lennéplatz, Querallee, Tiergartenstraße
  • Interaktive und verkehrsmittelübergreifende Anfahrtplanung und weitere Hilfen finden Sie bei Greenmobility

Veranstaltungsort

Großer Garten Dresden & Dresdner Parkeisenbahn

Dresdner Parkeisenbahn
E-Mail: parkeisenbahn@schloesserland-sachsen.de

Geschäftsstelle Großer Garten

Postadresse: Kavaliershaus C, Hauptallee 10 | 01219 Dresden

+49 351 4456-795
grosser.garten@schloesserland-sachsen.de

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